Haus S 2017-08-01T10:00:36+00:00

Project Description

Um das neu zu planende Wohnhaus nicht in Konkurrenz zum bestehenden historischen Torkel zu setzen, wurde Wert auf die Höhenentwicklung des Neubaus gelegt. Mit dem minimalistisch gestalteten klassischen L-Haus sollte der historische Torkel „umarmt“ und zu einem Atelier und Fotostudio umgenutzt werden.

haus S – Neubau eines Ein-Familienwohnhauses neben einem denkmalgeschützten Torkel

Grundlagen:

Das zu beplanende Baugrundstück schließt ein gewachsenes Baugebiet Richtung Orts- und Waldrand ab. Das Grundstück hat eine leichte Hanglage und ist bisher mit einer historischen denkmalgeschützten Torkelscheune bebaut.

Das Grundstück ist nach der vorliegenden Bauordnung in Innen- und Außenbereich geteilt. Die Grenze hierfür verläuft quer an der historischen Torkelscheune vorbei. Im offiziellen Außenbereich darf keine Wohnbebauung errichtet werden.

Aufgabe:

Die allgemeine planerische Aufgabe besteht darin, ein neues Ein-Familienwohnhaus in direkter Nähe zur denkmalgeschützten Scheune zu entwerfen, das mit dem historischen Gebäude nicht in Konkurrenz tritt, sich in der Formensprache zurücknimmt und trotzdem alle funktionalen Vorteile eines Neubaus mitbringt.

Die historische Torkelscheune soll durch eine zusätzliche planerische Maßnahme in enger Abstimmung mit dem Denkmalamt zu einem Atelier und Fotostudio umgenutzt werden.

Anhand den Vorgaben der Bauherren soll im Neubau ein Wochend- /Ferienhaus für ein Ehepaar entstehen mit der zusätzlichen Möglichkeit jederzeit Gäste einzuladen.

Zusätzlich wurde der Wunsch geäußert eine weitgehend altersgerechte Planung im Erdgeschoss einfließen zu lassen.

Entwurfsgedanke:

Durch die stark einflussnehmenden äußeren Gegebenheiten entstand die Idee den Neubau so unauffällig wie möglich anzudenken und dabei eine schützende, bzw. umarmende Geste in Richtung historischem Torkel anzudenken.

Als Gebäudetypologie kam somit nur das klassische L-Haus in Frage, wobei die beiden Gebäudeschenkel in unterschiedlichen Ebenen bzw. Geschossen erlebt werden.

Um den Neubau in seiner Wirkung in den Hintergrund treten zu lassen, wurde Wert auf die Höhenentwicklung des Gebäudes gelegt. Das eigentliche Erdgeschoss wurde um annähernd ein halbes Geschoss in das Gelände eingelassen. Dafür wurde der kurze Schenkel des L-Typs im Obergeschoss „aufgestockt“. Dieser Schenkel definierte gleichzeitig den Eingang des Neubaus. Die Auskragung des OGs über das EG fungiert zugleich als übergroßes Vordach.

Die Vorgabe der Baurechtsbehörde, die Oberkante des Gebäudes nicht höher als die Traufe des Torkels auszubilden, wurde mit dem Eingraben des Gebäudes und der Wahl der Dachform als Flachdach eingehalten.

Somit wurden Grundrissorganisation, sowie Fensterausrichtungen diesen Vorgaben soweit möglich angepasst, die Wohnräume daher hauptsächlich zum Torkel hin und die Nebenräume vom Torkel weg orientiert.

Umsetzung:

Anhand des vorgegebenen Raumprogramms konnte eine klare Funktionstrennung in ein Wohn- und Schlafgeschoss entwickelt werden.

Allein für Gäste und eine spätere altersgerechte Nutzung wurde ein Schlafraum im Erdgeschoss angedacht. Die beiden Schlafräume mit dem großzügigen Bad wurden daher im OG und die eigentliche Wohnnutzung mit dem offenen Wohn- und Ess- und Kochbereich im EG angeordnet.

Materialen:

Die klare Gebäudeform des Neubaus sowie die bestehende und historische Konstruktionsweise des Torkels gaben den Anlass, den Neubau in Holzbauweise zu konzipieren.

Vorgeplante und -gefertigte Elementwände verkürzten die Bauphase erheblich. Das Aufschlagen der gedämmten Holzrahmenwände, mit einer inneren Installationsebene und Holzfaserdämmplatte außen sowie den einzelnen Geschossdecken – ebenfalls in Holzbauweise – schlossen den „klassischen“ Rohbau ab.

Mit dem Innenausbau konnte parallel der Außenputz aufgetragen werden. Als zusätzlicher formaler Brückenschlag zur historischen Bauzeit des Torkels wurde ein Außenputz in Besenstrichoptik neu interpretiert. Die sehr grobe und gerichtete Putzstruktur steht im Kontrast zu den klar ablesbaren Baukörpern des Neubaus.

Für die Farbwahl der Putzflächen, wie auch bei der Holzart der Fenster, wurde das Eichenholz der Tragkonstruktion des Torkels herangezogen. Die zwei gestapelten Baukörper des Neubaus wurden daher farblich passend in warmen Brauntönen abgesetzt.

Die überbaute versiegelte Grundstücksfläche wurde durch die extensiv begrünten Flachdachflächen der beiden Baukörpern wieder aufgerechnet.

Auch im Innenraum wurde mit warmen Farbtönen und Materialen gearbeitet. So wurden in allen Räumen, ausgenommen den Feuchträumen, großformatige Eichendielen verlegt.

Mindestens eine Wand jedes Wohnraumes wurde zusätzlich farblich akzentuiert.

In den Bädern und WC’s wurde weitgehend auf Fliesen an den Wänden verzichtet. Nur an den unbedingt notwendigen Flächen, wie Dusche und WC, wurden raumhoch Fliesen verlegt. Die restlichen Flächen wurden mit einer wasserabweisenden Wandfarbe gestrichen.

Das zusätzliche Gäste-Bad im EG wurde altersgerecht mit verbreiterter Türöffnung, ausreichend Platzbedarf neben den WC´s, sowie bodengleicher Dusche ausgeführt.

Als besonderer Blickfang im Eingangsbereich wurde die verbindende Treppe zwischen dem Wohn- und Schlafgeschoss als gefaltete Treppe in Schwarzstahl angefertigt.

Zudem wurde viel Wert auf unterstützende Beleuchtung gelegt. Das Beleuchtungskonzept sah größtenteils Einbauleuchten in den Decken und Wänden vor.

Besonderer Wert wurde außerdem auf die Akustik gelegt. Hierfür wurde in den stark frequentierten Räumen wie z.B. dem Essbereich oder dem offenen Treppenraum eine gelochte Akustikdecke ausgeführt.

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PROJEKTDATEN

  • Nutzung: Wohnraum
  • Planungszeit: Anfang Juli 2012
  • Ausführungszeit: Juli 2014 – Juli 2015
  • Ort: Salem (BW)
  • Fotograf: Björn Blindt

  • Größe (Projekt): 174,23 qm
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